Kurzinfo
Weisse Rose. Studentin, die Hitler mit Flugblaettern trotzte und mit ihrem Leben bezahlte.
Gesprächseinstiege
Lebensweg
Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 in Forchtenberg geboren, als viertes von sechs Kindern des Bürgermeisters Robert Scholl und Magdalena Müller. Sie wuchs in einer liebevollen Familie mit starken moralischen Werten auf.
Die Familie Scholl zog nach Ludwigsburg, als Sophie fünf Jahre alt war. Dies war der erste von mehreren Umzügen während ihrer Kindheit, als ihr Vater seine Karriere in der Kommunalverwaltung verfolgte.
Wie die meisten deutschen Kinder ihrer Generation trat Sophie zunächst der weiblichen Abteilung der Hitlerjugend bei, dem Bund Deutscher Mädel (BDM). Anfangs war sie begeistert vom Gemeinschaftsgefühl und den Aktivitäten im Freien.
Die Familie Scholl zog nach Ulm, das Sophies wahre Heimatstadt wurde. Hier entwickelte sie ihre künstlerischen Interessen und schloss enge Freundschaften, die später für ihre Widerstandsaktivitäten entscheidend sein sollten.
Sophie begann nach der Machtergreifung der Nazis die weiterführende Schule in Ulm zu besuchen. Trotz des zunehmend politisierten Bildungssystems bewahrte sie ihr unabhängiges Denken und ihre Liebe zu Kunst und Philosophie.
Sophie begann, Zweifel am Nationalsozialismus zu entwickeln, nachdem sie die Verfolgung jüdischer Klassenkameraden und Nachbarn miterlebt hatte. Die kritische Haltung ihres Vaters gegenüber dem Regime beeinflusste ihre wachsende Skepsis zutiefst.
Robert Scholl wurde bei den Behörden angezeigt, weil er Hitler als «Gottesgeißel» bezeichnet hatte. Sein Prozess und die Verhaftung ihres Bruders Hans und seiner Freunde wegen Beteiligung an verbotenen Jugendgruppen prägten Sophies Widerstand gegen das NS-Regime nachhaltig.
Sophie arbeitete als Kindergärtnerin, um ihren obligatorischen Reichsarbeitsdienst zu erfüllen. Diese Erfahrung zeigte ihr die Nazi-Indoktrination kleiner Kinder und verstärkte ihre Opposition gegen das Regime.
Sophie schloss ihre weiterführende Schulbildung mit dem Abitur ab, der deutschen Hochschulzugangsberechtigung. Sie zeichnete sich in Kunst und Literatur aus und entwickelte das intellektuelle Fundament für ihre späteren Widerstandsschriften.
Sophie vertiefte ihre Beziehung zu Fritz Hartnagel, einem Offizier der Wehrmacht. Trotz ihrer unterschiedlichen Positionen offenbarte ihr Briefwechsel Sophies wachsende moralische Überzeugung gegen den Krieg und die Nazi-Gräuel.
Vor der Immatrikulation musste Sophie sechs Monate Kriegshilfsdienst leisten. Bei der Arbeit in einem Metallwerk und einem Kindergarten erlebte sie die Härten der Kriegszeit und die Heuchelei des Regimes.
Sophie begann, Biologie und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München zu studieren. Hier traf sie ihren Bruder Hans und seinen Freundeskreis wieder, die ihre Anti-Nazi-Überzeugungen teilten.
Sophie wurde neben ihrem Bruder Hans, Christoph Probst, Alexander Schmorell und Willi Graf ein Kernmitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose. Sie beteiligte sich am Verfassen, Vervielfältigen und Verteilen von Anti-Nazi-Flugblättern.
Die Weiße Rose begann, ihre ersten Flugblätter zu verteilen, die die Deutschen zum Widerstand gegen das Nazi-Regime aufriefen. Sophie half, Flugblätter an Adressen in ganz Süddeutschland zu versenden und riskierte ihr Leben für die Sache der Freiheit.
Im Januar 1943 beteiligte sich Sophie an der Graffiti-Aktion der Weißen Rose und malte unter dem Schutz der Dunkelheit Anti-Nazi-Parolen wie «Freiheit» und «Nieder mit Hitler» an Wände in ganz München.
Am 18. Februar 1943 wurden Sophie und Hans beim Verteilen von Flugblättern an der Universität München von einem Hausmeister erwischt, der sie anzeigte. Sie wurden sofort von der Gestapo verhaftet und intensiv verhört.
Nach einem Schauprozess vor dem berüchtigten Nazi-Richter Roland Freisler wurde Sophie am 22. Februar 1943 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Sie blieb standhaft und erklärte, dass ihre Taten andere inspirieren würden.
Sophie Scholl wurde am 22. Februar 1943, nur wenige Stunden nach ihrer Verurteilung, im Gefängnis Stadelheim durch die Guillotine hingerichtet. Ihre letzten Worte sollen gewesen sein: «So ein herrlicher, sonniger Tag, und ich muss gehen.» Sie wurde zum Symbol moralischen Mutes gegen Tyrannei.