Kurzinfo
Es, Ich, Ueber-Ich. Der Vater der Psychoanalyse legte die gesamte Menschheit auf die Couch.
Gesprächseinstiege
Lebensweg
Sigmund Freud wurde als Sohn der jüdischen Wollhändler Jacob und Amalia Freud in Freiberg, Mähren, geboren. Er war das erste von acht Kindern und der Liebling seiner Mutter, ein Status, von dem er glaubte, dass er seine selbstbewusste Persönlichkeit geformt habe. Frühe Erfahrungen mit Antisemitismus sollten seine Außenseiterperspektive auf die Gesellschaft prägen.
Die Familie Freud zog wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten nach Wien. Wien blieb fast achtzig Jahre lang Freuds Heimat und wurde zur Geburtsstätte der Psychoanalyse. Das intellektuelle Klima der Stadt und die jüdische Gemeinde prägten seine Entwicklung als Denker.
Freud schrieb sich an der Universität Wien ein, um Medizin zu studieren, obwohl er zunächst wissenschaftliche Forschung statt klinischer Praxis verfolgte. Er studierte bei Ernst Brücke und lernte den mechanistischen Ansatz der Biologie, der seinen Versuch beeinflussen sollte, eine wissenschaftliche Psychologie zu schaffen.
Freud schloss sein Medizinstudium nach acht Jahren ab, verzögert durch seine umfangreiche neurophysiologische Forschung. Seine frühen Arbeiten über die Nervensysteme von Fischen und die Eigenschaften von Kokain zeigten seine wissenschaftliche Strenge, obwohl finanzieller Druck ihn zur klinischen Praxis trieb.
Freud lernte Martha Bernays kennen, Tochter einer prominenten jüdischen Familie, und begann eine intensive vierjährige Verlobung. Ihre Korrespondenz von über 900 Briefen offenbart Freuds leidenschaftliche Natur und viktorianische Einstellungen gegenüber Frauen. Martha würde sechs Kinder gebären und dreiundfünfzig Jahre lang seinen Haushalt führen.
Freud erhielt ein Stipendium, um bei Jean-Martin Charcot am Salpêtrière-Krankenhaus zu studieren. Charcots dramatische Demonstrationen von Hysterie und Hypnose öffneten Freuds Geist für psychologische Ursachen körperlicher Symptome. Diese Erfahrung erwies sich als transformativ für seine zukünftige Arbeit.
Freud eröffnete seine neurologische Privatpraxis in Wien und heiratete Martha Bernays. Er begann, Patienten mit Nervenstörungen zu behandeln und experimentierte mit Hypnose und anderen Techniken. Seine Praxis in der Berggasse 19 sollte zur legendären Geburtsstätte der Psychoanalyse werden.
Freud veröffentlichte die 'Studien über Hysterie' mit Josef Breuer, in denen der Fall von 'Anna O.' und die 'Redekur' beschrieben wurden. Dieses Werk führte zentrale psychoanalytische Konzepte wie Verdrängung und das Unbewusste ein. Es markierte den Übergang von der Neurologie zur neuen Wissenschaft des Geistes.
Freud verwendete erstmals den Begriff 'Psychoanalyse' zur Beschreibung seiner neuen Methode der Untersuchung und Behandlung psychischer Störungen. Er entwickelte auch die Verführungstheorie der Neurose, die er später zugunsten von Phantasie und dem Ödipuskomplex aufgab. Der Tod seines Vaters in diesem Jahr löste eine intensive Selbstanalyse aus.
Freud veröffentlichte 'Die Traumdeutung', die er für sein größtes Werk hielt. Das Buch argumentierte, dass Träume unbewusste Wünsche offenbaren, und führte die Konzepte des Es und des Ödipuskomplexes ein. Obwohl es sich anfangs schlecht verkaufte, wurde es zu einem Grundlagentext des zwanzigsten Jahrhunderts.
Freud gründete die Psychologische Mittwoch-Gesellschaft, die sich wöchentlich mit Kollegen traf, um psychoanalytische Theorie zu diskutieren. Diese Gruppe, zu der Alfred Adler und später Carl Jung gehörten, wurde zum Kern der psychoanalytischen Bewegung. Sie entwickelte sich zur Wiener Psychoanalytischen Vereinigung.
Freud veröffentlichte 'Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie', sein kontroversestes Werk. Es schockierte die viktorianische Gesellschaft, indem es die infantile Sexualität und die Entwicklung der Sexualtriebe beschrieb. Das Buch stellte westliche Einstellungen zu Kindheit und menschlicher Natur grundlegend in Frage.
Freud hielt Vorlesungen an der Clark University in Amerika, begleitet von Carl Jung. Der enthusiastische Empfang markierte den internationalen Durchbruch der Psychoanalyse. Freud bemerkte berühmt, dass die Amerikaner nicht wussten, dass er ihnen 'die Pest' brachte—ein verstörendes neues Verständnis des menschlichen Geistes.
Freud gründete die Internationale Psychoanalytische Vereinigung, um die wachsende Bewegung zu organisieren und zu standardisieren. Carl Jung wurde zum ersten Präsidenten ernannt. Die Organisation sollte Abspaltungen, Kontroversen und Weltkriege überstehen und zu einer bedeutenden Kraft im Denken des zwanzigsten Jahrhunderts werden.
Freuds Beziehung zu Carl Jung, einst sein auserwählter Erbe, endete in einem erbitterten Bruch. Jung lehnte Freuds Betonung der Sexualität ab und entwickelte seine eigene Analytische Psychologie. Dieser schmerzhafte Bruch, nach ähnlichen Spaltungen mit Adler und anderen, verstärkte Freuds Gefühl der Belagerung.
Freud veröffentlichte 'Das Ich und das Es' und führte sein Strukturmodell der Psyche ein: Es, Ich und Über-Ich. Im selben Jahr wurde bei ihm Kieferkrebs durch Zigarrenrauchen diagnostiziert. Er würde über dreißig Operationen durchlaufen, während er weiter schrieb und Patienten sah.
Nach dem nationalsozialistischen Anschluss Österreichs floh Freud mit seiner Familie nach London. Trotz seines Ruhms wurden seine Bücher verbrannt und vier Schwestern sollten in Konzentrationslagern sterben. In London wurde er als Flüchtling vor dem Faschismus gefeiert und arbeitete trotz fortgeschrittenem Krebs weiter.
Freud starb in London, nachdem er seinen Arzt gebeten hatte, ihm eine tödliche Dosis Morphium zu verabreichen, um sein Leiden durch den Krebs zu beenden. Seine revolutionären Ideen über das Unbewusste, die Sexualität und die Redekur veränderten das westliche Verständnis des Geistes und bleiben heute einflussreich, wenn auch umstritten.