Kurzinfo
Ein hochbegabter Komponist und Dirigent der Romantik, der das Erbe Bachs neu belebte und zugleich leuchtende Sinfonien, Konzerte und Chorwerke schuf.
Gesprächseinstiege
Lebensweg
Er wurde als Jakob Ludwig Felix Mendelssohn in Hamburg als Sohn des Bankiers Abraham Mendelssohn und Lea Salomon geboren. Sein Großvater war der Philosoph Moses Mendelssohn, und das kultivierte Familienhaus förderte eine elitäre Bildung und musikalische Ausbildung.
Da Hamburg durch die napoleonische Zeit verunsichert war, verlegte die Familie ihren Haushalt nach Berlin, ein bedeutendes preußisches Kulturzentrum. Die Salons und Institutionen der Stadt verschafften Felix Zugang zu erstklassigen Lehrern und Musikern.
Felix und seine Geschwister wurden lutherisch getauft, was den Assimilationsdruck auf deutsch-jüdische Familien widerspiegelte. Der Name „Mendelssohn Bartholdy“ setzte sich durch, während die Familie zwischen Glauben, gesellschaftlichem Status und Öffentlichkeit navigierte.
Er studierte Komposition und Kontrapunkt bei Carl Friedrich Zelter, der ihn in die Berliner Sing-Akademie einführte. In diesem Umfeld nahm Mendelssohn die Traditionen von Bach und Händel tief in sich auf, die später seinen Chor- und Oratorienstil prägten.
Zelter brachte den jungen Musiker zu Goethe, der seine Begabung bewunderte und ihn vorteilhaft mit Mozart verglich. Die Begegnung stärkte Mendelssohns Selbstvertrauen und vertiefte seinen Glauben an die moralischen und literarischen Grundlagen der Kunst.
Mit sechzehn schrieb er das Oktett, ein kühnes Kammermusikwerk von sinfonischer Größe und funkelnder Brillanz. Seine treibenden Rhythmen und gewagten Klangtexturen kündigten ihn als bedeutende neue Stimme der deutschen Romantik an.
Von Shakespeare angeregt komponierte er eine Konzertouvertüre mit hauchzarten Streichern und zauberhaften Orchesterfarben. Das Stück wurde rasch zu einer Sensation und bildete später das Zentrum seiner vollständigen Bühnenmusik.
Mendelssohns einzige vollendete Oper nach Cervantes wurde am Königlichen Schauspielhaus uraufgeführt. Die Aufnahme war verhalten, und er zog das Werk zurück, um sich stärker sinfonischen und chorischen Gattungen zuzuwenden.
Er dirigierte eine wegweisende Wiederaufführung von Bachs Matthäus-Passion mit der Sing-Akademie in einer für moderne Kräfte vorbereiteten Fassung. Das Ereignis entfachte die Bach-Begeisterung des 19. Jahrhunderts und prägte das deutsche Musikverständnis nachhaltig.
Auf seiner ersten großen Tournee beeindruckte er das Londoner Publikum als Pianist und Dirigent und reiste anschließend nach Schottland. Die Ruinen von Holyrood und die Landschaft inspirierten Themen, die später in der „Schottischen“ Sinfonie und in Ouvertüren wiederkehren sollten.
Er bereiste Italien und nahm römische Festlichkeit, Kunst und mediterranes Licht in sich auf, was seine Klangpalette erweiterte. Skizzen aus dieser Zeit wurden später zur Sinfonie Nr. 4 „Italienische“, berühmt für ihre federnde Energie.
Er übernahm eine führende Position in der Leitung von Konzerten und Kirchenmusik und sammelte praktische Erfahrung mit Ensembles und Repertoire. Verwaltungskonflikte und Lokalpolitik frustrierten ihn, doch die Stelle beschleunigte seine Entwicklung zum professionellen Dirigenten.
Er nahm die prestigeträchtige Leitung des Gewandhausorchesters an und steigerte rasch Disziplin und Programmgestaltung. Unter seiner Leitung wurde Leipzig zu einem Zentrum gepflegter deutscher Musikkultur und zog Komponisten, Virtuosen und Mäzene an.
Sein Oratorium „Paulus“ wurde unter großem Beifall uraufgeführt und verband barockinspirierte Chöre mit romantischer Ausdruckskraft. Der Erfolg bestätigte ihn als führenden Komponisten geistlicher Musik und stärkte seine Beziehungen zu Festivals im deutschsprachigen Raum.
Er heiratete Cécile Jeanrenaud, die Tochter eines französisch-reformierten Pfarrers, und das Paar bekam schließlich fünf Kinder. Das Familienleben in Leipzig bot Stabilität inmitten unablässiger Reisen und enger Kompositionsfristen.
Mit sächsischer Unterstützung half er, das Leipziger Konservatorium zu gründen, um Musiker mit strenger handwerklicher Schulung und breiter Bildung auszubilden. Kollegen wie Robert Schumann unterrichteten später dort und festigten Leipzigs Einfluss als Bildungszentrum.
Er vollendete das Konzert nach langer Zusammenarbeit mit dem Geiger Ferdinand David, Konzertmeister des Gewandhauses. Seine nahtlose Form und lyrische Intensität machten es sofort zu einem Klassiker und zu einem Grundpfeiler des Violinenrepertoires.
„Elias“ wurde beim Birmingham Festival uraufgeführt, zugeschnitten auf die englische Chorkultur und große Zuhörerschaften. Dramatische Spannungsführung und eindringliche Chöre brachten ihm enorme Anerkennung in Großbritannien und stärkten seinen internationalen Rang.
Seine Schwester Fanny, eine begabte Komponistin und seine engste künstlerische Vertraute, starb plötzlich und erschütterte die Familie. Trauer und Überarbeitung verschlimmerten seine ohnehin fragile Gesundheit, und er schrieb elegische Musik, während er sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückzog.
Nach Monaten der Erschöpfung und wiederkehrender Schlaganfälle starb Mendelssohn mit achtunddreißig Jahren und beendete damit eine außerordentlich produktive Laufbahn. Die Leipziger Musikwelt trauerte tief, und seine Werke wurden bald zu einem Kernbestand des Konzertkanons des 19. Jahrhunderts.
