Kurzinfo
Schoepfer der Vulgata. Hieronymus praegte das Christentum, indem er die Bibel ins Lateinische übersetzte.
Gesprächseinstiege
Lebensweg
Eusebius Sophronius Hieronymus wurde in eine wohlhabende christliche Familie in der Stadt Stridon an der Grenze von Dalmatien und Pannonien geboren. Seine Eltern gaben ihm eine ausgezeichnete Ausbildung und legten damit den Grundstein fur seine Zukunft als einer der gelehrtesten Manner der Antike.
Hieronymus Vater schickte ihn nach Rom, um bei dem beruhmten Lehrer Aelius Donatus Grammatik zu studieren. Er vertiefte sich in die lateinische Literatur und beherrschte Vergil, Cicero und andere klassische Autoren. Er begann auch Griechisch zu lernen und entwickelte eine leidenschaftliche Liebe zu Buchern.
Nach Jahren des Studiums heidnischer Literatur wurde Hieronymus von Papst Liberius getauft, was seinen formellen Eintritt in den christlichen Glauben markierte. Obwohl er bereits vom Christentum angezogen war, stellte dieser Moment ein entscheidendes geistliches Bekenntnis dar. Er begann christliche Texte neben seiner geliebten klassischen Literatur zu erkunden.
Hieronymus reiste nach Trier in Gallien, wo er zum ersten Mal dem Monchtum begegnete. Tief beruhrt von den asketischen Gemeinschaften, die er erlebte, begann er theologische Handschriften zu kopieren und spurte die ersten Anzeichen seiner lebenslangen Berufung zur religiosen Gelehrsamkeit und zum monastischen Leben.
Auf der Suche nach geistlicher Reinigung zog sich Hieronymus in die karge Wuste von Chalkis ostlich von Antiochien zuruck. Vier Jahre lebte er als Einsiedler, fastete streng, lernte Hebraisch von einem judischen Konvertiten und kampfte gegen Versuchungen. Er beschrieb diese Zeit als eine Zeit extremer Entbehrung, aber tiefgreifenden geistlichen Wachstums.
Wahrend einer schweren Krankheit hatte Hieronymus einen lebhaften Traum, in dem er vor Gottes Richterstuhl geschleppt wurde. Als er erklarte, er sei Christ, donnerte eine Stimme: Du lugst! Du bist ein Ciceronianer, kein Christ! Er wurde fur seine Hingabe an heidnische Literatur ausgepeitscht und schwor, weltliche Bucher aufzugeben.
Nach Verlassen der Wuste wurde Hieronymus von Bischof Paulinus von Antiochien zum Priester geweiht, obwohl er nie die Messe feierte und seelsorgerische Pflichten ablehnte. Er zog das Leben eines Gelehrtenmonchs vor. In dieser Zeit verfeinerte er sein Griechisch und begann seine Karriere als Bibelkommentator und Ubersetzer.
Hieronymus reiste nach Konstantinopel, um bei Gregor von Nazianz zu studieren, einem der grossten Theologen der Ostkirche. Er vertiefte sein Wissen uber die griechische Heilige Schrift und ostliche theologische Traditionen. Er begann auch griechische theologische Werke ins Lateinische zu ubersetzen und baute seinen Ruf als Gelehrter auf.
Hieronymus besuchte ein Konzil in Rom und beeindruckte Papst Damasus I. so sehr, dass er zum papstlichen Sekretar ernannt wurde. Der Papst beauftragte ihn mit der Uberarbeitung der bestehenden lateinischen Ubersetzungen der Evangelien und begann damit das monumentale Werk, das zur Vulgata werden sollte.
Paulas Tochter Blesilla starb nach extremem Fasten unter Hieronymus geistlicher Leitung. Rom war emport, Kritiker machten Hieronymus strenge asketische Lehren verantwortlich. Die Tragodie schadete seinem Ruf und trug zu seinem eventuellen Weggang aus Rom bei. Er verteidigte sich kraftig, machte sich aber viele Feinde.
Nachdem Papst Damasus gestorben war und die romische Gesellschaft ihm feindlich gesinnt wurde, verliess Hieronymus Rom fur immer, begleitet von seinen ergebenen Anhangerinnen Paula und Eustochium. Sie reisten durch das Heilige Land und Agypten, bevor sie sich in Bethlehem niederliessen, wo Hieronymus die verbleibenden funfunddreissig Jahre seines Lebens verbrachte.
Mit Paulas Vermogen grundete Hieronymus ein Kloster fur Manner und drei Konvente fur Frauen in der Nahe der Geburtskirche in Bethlehem. Er baute auch ein Hospiz fur Pilger. Diese Einrichtungen wurden zu Zentren der Gelehrsamkeit, des Gebets und der Gastfreundschaft und zogen Besucher aus der ganzen christlichen Welt an.
In Abkehr von der Tradition begann Hieronymus das Alte Testament direkt aus dem Hebraischen statt aus der griechischen Septuaginta zu ubersetzen. Diese revolutionare Entscheidung, beeinflusst von seinen judischen Lehrern, loste Kontroversen aus, brachte aber einen genaueren Text hervor. Er arbeitete uber viele Jahre methodisch an jedem Buch.
Hieronymus ehemaliger Freund Rufinus beschuldigte ihn der Heuchelei, weil er Origenes kritisierte, nachdem er ihn zuvor gelobt hatte. Der daraus resultierende Streit wurde zu einer der giftigsten literarischen Fehden der Antike. Hieronymus griff Rufinus in zunehmend scharfen Briefen an und zeigte sein volles polemisches Geschick.
Hieronymus vollendete seinen einflussreichen Kommentar zum Matthausevangelium und demonstrierte seine meisterhafte Kombination von philologischer Prazision und theologischer Einsicht. Er schopfte aus hebraischen, griechischen und lateinischen Quellen und setzte neue Massstabe fur die Bibelwissenschaft, die das westliche Christentum jahrhundertelang beeinflussen sollten.
Nach mehr als zwanzig Jahren Arbeit vollendete Hieronymus seine lateinische Ubersetzung der gesamten Bibel, die Vulgata. Diese monumentale Leistung wurde fur uber tausend Jahre zur Standardbibel des westlichen Christentums. Seine Vorworte zu jedem Buch lieferten unschatzbare Einfuhrungen in die Bibelwissenschaft.
Als die Westgoten unter Alarich Rom plunderten, war Hieronymus von der Nachricht erschuttert. Er schrieb, dass seine Stimme in seiner Kehle stecken blieb und Schluchzen seine Worte erstickte. Fluchtlinge stromten nach Bethlehem und belasteten die Ressourcen des Klosters. Hieronymus sah die Katastrophe als Zeichen des nahenden Weltendes.
Hieronymus starb am 30. September 420 in Bethlehem, geschwacht durch Jahre asketischen Lebens und intensiver gelehrter Arbeit. Er wurde unter der Geburtskirche begraben, nahe der traditionellen Statte der Geburt Christi. Sein Grab wurde zu einem Wallfahrtsort, und er wurde spater zum Kirchenlehrer erklart.