Kurzinfo
Französischer Schriftsteller, Nobelpreisträger für Literatur, Erforscher von Moral und individueller Freiheit.
Gesprächseinstiege
Lebensweg
André Paul Guillaume Gide wurde am 22. November 1869 in Paris geboren. Sein Vater war Rechtsprofessor, seine Mutter streng protestantisch. Die strenge religiöse Erziehung sollte für ein Leben voller Hinterfragungen Stoff liefern.
Sein Vater starb, als André elf Jahre alt war. Von seiner strengen Mutter aufgezogen, wurde der Junge introvertiert, ängstlich und intensiv religiös. Die Saat der Rebellion war bereits gesät.
Veröffentlichte seine ersten Werke und trat in symbolistische Literaturkreise ein. Begegnete Pierre Louÿs und anderen Schriftstellern, die lebenslange Freunde und Rivalen werden sollten. Seine literarische Karriere hatte begonnen.
Reiste nach Algerien. Das nordafrikanische Erlebnis erwies sich als transformativ und weckte unterdrückte Sehnsüchte. Er begann, alles in Frage zu stellen, was man ihm beigebracht hatte.
Traf Oscar Wilde in Algerien kurz vor dessen Prozess. Die Begegnung bestätigte seine eigene Natur. Gide begann den langen Prozess der Selbstakzeptanz, der sein Leben definieren sollte.
Heiratete seine Cousine Madeleine Rondeaux. Die Ehe wurde nie vollzogen. Sie war seine spirituelle Gefährtin, aber die Beziehung war von seinem versteckten Leben und letztlichem Verrat geprägt.
Veröffentlichte 'L'Immoraliste' (Der Immoralist), seinen Durchbruchsroman über einen Mann, der seine wahre Natur auf Kosten des Lebens seiner Frau entdeckt. Die autobiografischen Elemente waren kaum verborgen.
Mitbegründer der Nouvelle Revue Française (NRF), die zur einflussreichsten Literaturzeitschrift Frankreichs wurde. Die NRF sollte die französische Literatur für Jahrzehnte prägen.
Veröffentlichte 'Les Caves du Vatican' (Lafcadios Abenteuer) und führte das Konzept des 'acte gratuit' ein - der motivlosen Handlung. Der Roman beeinflusste den Existenzialismus, bevor der Begriff existierte.
Als Madeleine seine Affäre mit Marc Allégret entdeckte, verbrannte sie alle seine Briefe an sie - Jahrzehnte der Korrespondenz. Gide betrachtete es als den größten Verlust seines Lebens.
Veröffentlichte 'Corydon', seine sokratische Verteidigung der Homosexualität. Das Buch war skandalös, markierte aber sein öffentliches Bekenntnis zur Ehrlichkeit über seine Natur.
Veröffentlichte 'Les Faux-Monnayeurs' (Die Falschmünzer), sein einziges Werk, das er Roman nannte. Die komplexe, selbstreflexive Erzählung beeinflusste eine Generation von Schriftstellern.
Veröffentlichte 'Rückkehr aus der UdSSR' mit Kritik am sowjetischen System, das er anfangs unterstützt hatte. Die ehrliche Kritik verärgerte sowohl Linke als auch Rechte. Gide blieb nur der Wahrheit treu.
Erhielt den Nobelpreis für Literatur für sein umfassendes und künstlerisch bedeutsames Werk. Mit siebenundsiebzig wurde der lebenslange Fragesteller endlich geehrt.
André Gide starb am 19. Februar 1951 in Paris. Seine Tagebücher, die Jahrzehnte umspannten, blieben sein intimstes Werk. Der Fragesteller hatte endlich Stille gefunden.
